Schmallenberger Sauerland

Wasserkraftwerk Museum Besteckfabrik

Die Besteckfabrik Hesse produzierte bis 1972 Bestecke aus Edelstahlblech, seitdem ruht der Betrieb. 1990 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Nach 28 Jahren „Dornröschenschlaf“ öffnete im Jahr 2000 das ­Museum. Die Wasserkraftanlage mit 52 kW Leistung erzeugt im Jahr 155.000 kWh Strom.

Die Besteckfabrik Hesse ist eine vollständig eingerichtete Fabrik zur Herstellung von Bestecken. Alle Maschinen werden von einer Turbine - Bauart Ossberger - über Transmissionen oder elektrisch angetrieben. Vom Rohstück bis zum Versand kann der gesamte Werdegang eines Besteckes nachvollzogen werden.

Der Antrieb der Stanzen, Walzen, Pressen, Schleif- und Poliermaschinen erfolgte ursprünglich mittels Wasserkraft. Die Maschinen wurden mit der Turbine über Transmissionen direkt angetrieben, alternativ trieb die Turbine einen Generator an, der einen Elektromotor zum Antrieb der Transmissionen speiste. Auf diese Weise konnte die Fabrik auch bei Niedrigwasser der Lenne betrieben werden, dann mit Strom aus dem öffentlichen Netz. Seit den 50ern gibt es neue Pressen mit eigenen Antriebsmotoren.

Die Wasserkraftanlage wurde 1938 in Betrieb genommen. Das Wasser der Lenne wird dem Kleinkraftwerk über einen 900 m langen Obergraben zugeführt und mit 6 m Fallhöhe in die Turbine geleitet. Je nach Wasserstand wird die Durchflussmenge der Ossberger-Turbine automatisch angepasst. Bei niedrigem Wasserstand und einer Leistung von weniger als 4,5 kW wird die Turbine von Hand abgeschaltet, die maximale Leistung liegt bei 52 kW. Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Mit einer Jahresdurchschnittsleistung von 18 kW reicht die Erzeugung von 155.000 kWh für ca. 40 Haushalte.

Die Besteckfabrik Hesse ist eine der wenigen Industrieanlagen in Westfalen mit vollständiger, gründerzeitlich anmutender Originalausstattung. Die Produktionsschritte der Besteckherstellung sind vollständig darstellbar. Fertigungstechnik und vor allem die Arbeitsplätze, die aus den 30er Jahren bis 1972 fast nicht verändert wurden, verdeutlichen die Arbeitsbedingungen der „guten alten Zeit“.

Ab 1997 renovierte der Heimatverein Fleckenberg die Fabrik und machte sie im Jahr 2000 nach 28 Jahren „Dornröschenschlaf“ als Museum zugänglich.

www.besteckfabrik-fleckenberg.de

Der Heimatverein ist auch Betreiber der Wasserkraftanlage, die mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen saniert wurde. Das Museum wird dank ehrenamtlicher Mitarbeiter und der Einnahmen aus Eintrittsgeldern und aus der Wasserkraft ohne laufende öffentliche Zuschüsse geführt.

Technik

Für Wasserkraftanlagen gibt es zahlreiche Bauarten von Turbinen, ihr Einsatz richtet sich vor allem nach Fallhöhe und Durchfluss. An den kleinen Laufwasserkraftwerken im Stadtgebiet mit mittlerem Volumenstrom und Fallhöhe sind Francis-Turbinen die häufigste Bauart.

Die Ossberger-Turbine ist eine besondere Bauart, das Wasser durchströmt das walzenförmige Laufrad fast senkrecht  und trifft zweimal auf die Turbinenschaufeln, von oben und beim Austritt. Die Beaufschlagung des Laufrades lässt sich in Abschnitten regeln, die Leistung konnte so  sehr einfach dem Bedarf der Maschinen oder dem Abfluss angepasst werden. Heute erfolgt die Regelung automatisch.


Strömung wird Strom

Die Ossberger-Turbine besteht aus nebeneinanderliegenden, unterschiedlich großen Kammern mit getrennten Laufrädern, die je nach Wassermenge oder Bedarf beaufschlagt werden. Bei niedrigem Wasserstand wird nur in die kleinere und bei einer großen Durchflussmenge sind beide Kammern geöffnet

Grafiken: www.ossberger.de


Technische Daten:

  • Durchfluss durch die Turbine: 1.200 l/s (Liter pro Sekunde)
  • Fallhöhe: 6m
  • Durchschnittliche Stromerzeugung pro Jahr: 155.000 kWh (Kilowattstunden)
  • Installierte Leistung: 53 kW

Ein weiteres Wasserkraftwerk wird an der Lenne unterhalb von Fleckenberg in Hundesossen betrieben. Die Stromerzeugung dieser 4 Kleinkraftwerke reicht zur Versorgung von 100 bis 120 Haushalten aus. Die Huckelmühle, auch Göddecken-Mühle genannt, nahe Schmallenberg wird im Jahr 2014 erneuert.

Zur Erzeugung erneuerbarer Energien trägt die Wasserkraft in Schmallenberg damit etwa 2 % bei. Das ungenutzte Potential ist gering. Theoretisch könnten aufgrund des Gefälles und der Abflussmengen weitere Anlagen errichtet werden, aus wasserrechtlichen Gründen und aufgrund des Gewässer- und des Fischschutzes ist eine Realisierung aber wenig wahrscheinlich.

Strom aus Wasserkraft hat den Vorteil einer kontinuierlichen Erzeugung unabhängig von Sonne und Wind, in trockenen Sommern stehen die Kraftwerke an der oberen Lenne jedoch oft über mehrere Wochen still, weil der Zufluss nicht zum Betrieb der Turbinen ausreicht.

Bis zur Mündung der Lenne in die Ruhr arbeiten unterhalb von Schmallenberg weitere 15 Wasserkraftwerke. Die Kraftwerke unterhalb von Finnentrop haben mit bis zu 2.000 kW erheblich höhere Leistungen und Stromerzeugungen, da ab Finnentrop der Abfluss durch die Biggetalsperre vergleichmäßigt wird. Hochwasser werden zum größten Teil gespeichert und gleichen die niedrigen Zuflüsse im Sommer aus.