Schmallenberger Sauerland

Nahwärmenetz Kirchplatz mit Holzpellet-Heizanlage

Die Kirchengemeinde St. Alexander versorgt  4 Liegenschaften am Kirchplatz - Pfarrhaus, Alexanderhaus, Kirche und ein Mehrfamilienhaus - klimafreundlich über ein Nahwärmenetz mit Heizwärme. Bis 2014 wurden die 4 Gebäude mit Erdgas beheizt. Seit dem Sommer 2014 wird die Wärme mit Holzpellets erzeugt, dazu wurden im Alexanderhaus eine neue Heizzentrale installiert und im Kirchplatz ein 140 m langes Wärmeleitungsnetz verlegt.

Heizkessel und Speicher

Bis 2014 hatten die 4 Gebäude einen Erdgasverbrauch von 270.000 kWh im Jahr (das entspricht 27.000 Litern Heizöl). Dieser Wärmebedarf wird nach der Umstellung mit etwa 60 t Holzpellets gedeckt. Die Wärme wird mit einem Holzpelletkessel mit 250 kW Leistung erzeugt. Diese Leistung ist erheblich geringer als die der 4 einzelnen Erdgaskessel.

Das Kirchengebäude wird im Winter nur mit etwa 10 °C temperiert. Zum Aufheizen vor den Messen ist deshalb kurzzeitig eine hohe Wärmemenge  erforderlich, die zusätzlich zum Heizkessel aus 4 Pufferspeichern bereitgestellt wird. Die Pufferspeicher sind groß dimensioniert und enthalten 5.400 Liter Wasser, das bis zu 90 °C aufgeheizt und bei Bedarf zusätzlich zur Wärme aus dem Heizkessel in den Kreislauf gespeist wird. In Zeiten mit niedrigem Wärmebedarf werden die Speicher wieder aufgeladen, sodass der Pelletkessel in möglichst langen Takten durchlaufen kann.

Die Verbrennungstechnik von Pellet-Großkesseln erreicht ähnliche Emissionswerte wie eine moderne Gasfeuerungsanlage. Die Bereitstellungs- und Abgasverluste werden, bezogen auf die Kesselanlage, durch den Ersatz von 4 Kesseln durch einen effizienten neuen Kessel deutlich verringert, insbesondere werden die Bereitstellungsverluste in der Übergangszeit verringert, wenn nur ein Kessel anstelle der 4 Anlagen läuft. Das Leitungsnetz wurde in hoch-wärmeisolierten Kunststoffrohren ausgeführt.

Grafik: Fröhling

Alle 4 Erdgaskessel wurden demontiert. Moderne Pellet-Heizanlagen arbeiten – Betreuung und Service vorausgesetzt - so zuverlässig, dass eine Reserve durch weitere Heizkessel nicht benötigt wird.

Die Holzpellets werden im Alexanderhaus in einem Lager mit etwa 40 m³ Volumen bevorratet. Dies deckt knapp die Hälfte des Jahresbedarfs ab, sodass im Jahr 2 bis 3 Lieferungen erforderlich werden und sich aufgrund der großen Liefermenge ein attraktiver Einkaufspreis erzielen lässt.

Das ca. 140 m lange Wärmeleitungsnetz ist mit vollisolierten Kunststoffrohren ausgeführt. Für die kleinen Verbraucher als Twin-Rohr, hier sind Vor- und Rücklauf in einem Mantelrohr zusammengefasst, zum größten Verbraucher, der Pfarrkirche, werden 2 Einzelleitungen verlegt. In den 4 Gebäuden wird die Wärme aus dem Nahwärmenetz über Wärmetauscher an die vorhandenen Heizungsverteilungen übergeben. Alle Stationen sind mit Wärmemengenzählern ausgestattet, sodass Erzeugung und Verbräuche vollständig nachgewiesen werden können.

Klimaschutz

Auch bei der Verbrennung von Holz wird das Klimagas Kohlendioxid (CO2) freigesetzt, jedoch handelt es sich um einen fast neutralen Kreislauf, da das Kohlendioxid von nachwachsenden Bäumen wieder aufgenommen wird. Eine geringe CO2-Belastung von 26 g je kWh entsteht aus dem Energieeinsatz beim Ernten, Transportieren und Verarbeiten des Holzes. Die Umstellung auf Holzpellets reduziert somit die CO2-Emission von 66 Tonnen im Jahr um fast 90 % auf 7 Tonnen.

(CO2-Emission Erdgas 245 g / kWh, Holzpellets 26 g / kWh. Werte mit Vorkette - Bayer. Landesamt für Umwelt, Gemis Globales Emissions-Modell integrierter Systeme).

Die Lieferentfernungen für Holzpellets sind im Vergleich zu Erdgas sehr kurz: Nadelholz wächst lokal im Sauerland in ausreichenden Mengen zu, allein im Umkreis von 40 km gibt es 3 namhafte Pellethersteller und das geplante Lagervolumen ermöglicht große Liefermengen pro Fahrt.


kW und kWh

Die Leistung eines Erzeugers wird in kW (Kilowatt) angegeben. Gemessen und abgerechnet wird Energie, das Produkt aus Leistung und Laufzeit, in diesem Fall die Wärmeerzeugung bzw. der Verbrauch in kWh (Kilowattstunden).

Der Heizkessel im Alexanderhaus mit 250 kW Leistung erzeugt, wenn er mit voller Leistung durchläuft, am Tag 6.000 kWh Wärme.