Schmallenberger Sauerland

Nahwärmenetz Bad Fredeburg - SauerlandBad

Seit Juli 2012 werden das SauerlandBad, das Schulzentrum und das Musik­bildungszentrum Südwestfalen über ein Nahwärmenetz versorgt. Die drei Gebäude stehen für mehr als 30 % des Wärmeverbrauchs der städtischen Liegenschaften. Erzeugt wird die Wärme zu 80 % in einem Blockheizkraftwerk mit Biogas aus dem Bioenergiedorf Ebbinghof. Die Nutzung der bei der Stromerzeugung anfallende (Ab)wärme führt zu dem guten Gesamt­wirkungsgrad von mehr als 80 %.

Das Biogas wird über eine 2 km lange Leitung aus Ebbinghof zugeführt und in dem Blockheizkraftwerk (BHKW) an der Sporthalle des Schulzentrums verstromt. 40 % der enthaltenen Energie fallen als Strom an, 60 % fallen als Wärme an, diese wird in das neu errichtete, knapp 1.000 m lange Leitungsnetz zu den 3 Verbrauchern eingespeist.

Die Wärmeversorgung der 3 städtischen Liegenschaften SauerlandBad und Akademie erfolgte bis 2012 mit Erdgas, das Schulzentrum in Bad Fredeburg wurde elektrisch beheizt. Gebaut und über 15 Jahren betrieben wird das neue System von der Energie Schmallenberg GmbH. 1,3 Millionen Euro wurden investiert für den Bau des BHKW, des Leitungsnetzes und von 4 Erdgaskesseln zur Abdeckung von Spitzenlasten im Winter. Diese Investition brauchte die Stadt nicht aus knappen Haushaltsmitteln finanzieren, erhält aber trotzdem alle Vorteile der klimafreundlichen Versorgung. Der Bau des Nahwärmenetzes wurde mit Mitteln aus dem Programm „progres.nrw“ des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Die Wärmeversorgung in Bad Fredeburg zeigt beispielhaft, wie sich die beiden Ziele Klimaschutz mit erneuerbaren Energien und langfristige Wirtschaftlichkeit ideal verbinden lassen: Mit der Umstellung sinken die CO2-Emissionen um 67 %. Und mit Biogas als Primärenergie werden die Heizkosten für die 3 Gebäude in Zukunft nur noch halb so stark wachsen wie die Preise für fossile Energien.

Neben den technischen Anforderungen war auch der Terminplan der Stadt sehr anspruchsvoll, zwischen der Erteilung des Auftrags und der Inbetriebnahme lagen nur gut 8 Monate, in denen vor allem die Leitungsbauarbeiten geplant und ausgeführt werden mussten.

Wofür wird die Wärme benötigt?

Aus dem Wärmeleitungsnetz wird die Wärme in den Gebäuden über Wärmetauscher in den Heizungskreislauf eingespeist. Ein Wärmetauscher funktioniert ähnlich wie ein Motorkühler im PKW, nur dass ein zweiter Wasserkreislauf anstelle von Luft quer durchströmt.

Im Schulzentrum wird die Wärme allein zur Beheizung der Räume benötigt, im Musikbildungszentrum auch für die Warmwasserversorgung von Küche und Übernachtungsbereich mit mehr als 100 Betten. Im SauerlandBad werden Beckenwasser, das Brauchwasser (Duschen) und die Raumluft erwärmt. Dazu wird kalte Frischluft von außen angesaugt, über Wärmetauscher mit der verbrauchten Raumluft vorgewärmt und über einen zweiten Wärmetauscher mit Heizwasser temperiert. Die meiste Wärme wird benötigt, um das Beckenwasser zu temperieren, denn für jeden Badegast werden 30 Liter kaltes Frischwasser in das Becken geleitet, diese müssen auf eine Temperatur von mindestens 29 °C aufgeheizt werden.

Betreiber

Energie Schmallenberg GmbH
Gesellschafter: Stadtwerke Schmallenberg,
RWE Energiedienstleistungen GmbH, Ebbinghof Biogas GmbH & Co. KG


Technik

Seit Juli 2012 liefert Energie Schmallenberg pro Jahr etwa 3 Mio. kWh Wärme, das entspricht dem Heizwert von mehr als 300.000 Litern Heizöl. Mehr als 80 % der benötigten Wärme kommen aus dem Biogas-BHKW am Schulzentrum, Wärmeleistung 465 kW, und werden über ein Leitungsnetz zu den 3 Gebäuden verteilt. Vier Erdgaskessel (Bild rechts) mit zusammen 1.600 kW und 2 x 15.000 Liter-Pufferspeicher stehen bereit zur Abdeckung von Lastspitzen im Winter und als Reserve.

Erdgas und das Biogas aus dem Bioenergiedorf Ebbinghof werden unterirdisch über Leitungen zugeführt, somit wird in Bad Fredeburg kein zusätzlicher Lieferverkehr mit LKW erforderlich.

Klimaschutz

Seit 2009 ist die Stadt Schmallenberg Klimakommune und hat sich bis 2020 eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 33 % zum Ziel gesetzt. Dies ist besonders relevant bei langfristigen Investitionen. Mit Umstellung auf den 80 / 20-Mix sinken die CO2-Emissionen von 1.150 t pro Jahr um 67 % auf ca. 380 t.­ Auch aus Biogas lassen sich Strom und Wärme nicht CO2-frei erzeugen, im Vergleich zu fossilen Energieträgern sinken die Emissionen aber deutlich.

CO2-Emissionen:

  • Erdgas 248 g / kWh, inklusive Vorkette (Bayer. Landesamt für Umwelt)
  • Heizstrom 558 g / kWh, entsprechend Kennzeichnung des Lieferanten (2011)
  • Strom aus Biogas (aufgeteilt 40 % auf den Strom, 60 % auf die Wärme) 56 g / kWh (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft)
  • Wärme aus Biogas 84 g / kWh